Man nehme ein ehemaliges Kino, mache daraus ein Kleinkunsttheater, vergebe den neuen Namen "Lincoln" und fülle Zuschauerraum und Bühne mit prallem Leben. Seit dem 20. Juni 2006 wird im ehemaligen "Roxy" gejazzt, gegroovt, Kabarettisten und andere Wortkünstler geben sich die Ehre, "Hänsel und Gretel" begeistern die Jüngsten und "Film und Talk" die Ältesten. "Film und Talk im Lincoln" - das Motto ist auch das Programm. Alte Worms-Filme, aus den Jahren zwischen 1930 und 1950, gehütet im Archiv des Medienzentrums der Stadt, und Gäste, die als Zeitzeugen erzählen, "wie es wirklich früher war" sind die Komponenten dieser Zweistunden-Veranstaltung. Hier wird der Erinnerung Platz gegeben, hier darf man in Kindertage zurückkehren, hier wird an Zeiten erinnert, die nicht immer die "guten alten" waren. Hier finden sich Menschen vor und auf der Bühne, die sich darüber freuen, wenn sie in einem grisseligen Schwarz-Weiß-Film ihre "Elektrisch" durch die Innenstadt fahren sehen, die ihr Oh-Ja-Erlebnis haben, wenn sie das geschäftige Treiben vor und in den (längst geschlossenen) Fachgeschäften in der Innenstadt verfolgen und die sich mit den Talkgästen auf der Bühne noch einmal der Straßenfastnacht in der KW hingeben können. "Film und Talk im Lincoln" ist in eine Marktlücke hineingestoßen, in der sich vor allem ältere Wormser wieder finden können. Im Film dürfen sie noch einmal bildlich auferstehen, die alten Zeiten, im Gespräch wird diese Vergangenheit auf der ganz persönlichen Ebene anschließend zum Teil sehr berührend vertieft. Die Veranstaltungsfolge, die im Vier-Wochen-Rhythmus stattfindet, hat auf Anhieb ein dankbares Publikum gefunden.